Besondere Testamente in Polen: Das mündliche Testament

Besondere Testamente sind Ausnahmetestamente, weil sie unter außergewöhnlichen Umständen (z.B. Angst vor dem nahen Tod) errichtet werden. Das polnische Recht kennt drei Formen von besonderen Testamenten: ein mündliches Testament, ein auf einem polnischen Schiff oder in einem polnischen Flugzeug errichtetes Testament (das so genannte Nottestament auf Reisen) und ein Militärtestament.

Die Erstellung eines besonderen Testaments erfordert – ebenso wie die Erstellung eines gewöhnlichen Testaments – die Einhaltung entsprechender gesetzlicher Bestimmungen.

Das mündliche Testament

Eines der häufigsten besonderen Testamente ist das mündliche Testament. In der Praxis wird es in Krankenhäusern, Pflegeheimen oder in der Wohnung des Erblassers aufgesetzt und betrifft in der Regel kranke und ältere Menschen.

In Fällen, in denen der Tod des Erblassers zu befürchten ist oder die Wahrung der gewöhnlichen Testamentsform infolge besonderer Umstände unmöglich oder sehr erschwert ist, kann der Erblasser seinen letzten Willen in gleichzeitiger Anwesenheit von mindestens drei Zeugen mündlich erklären.

Die Beurteilung, ob es sich um eine Situation handelt, in der der Tod unmittelbar bevorsteht, kann aus der Perspektive des medizinischen Wissens und der Lebenserfahrung (aus objektiver Sicht) oder aus der Sicht des subjektiven Empfindens des Erblassers erfolgen.

Umstände, die die Verwendung der gewöhnlichen Testamentsform unmöglich machen oder erheblich erschweren, sind im Gesetz nicht aufgezählt. Es ist davon auszugehen, dass es sich um ungewöhnliche, vom Normalzustand abweichende Umstände handelt. Dabei kann es sich um Ereignisse objektiver Art handeln (z.B. eine Überschwemmung), sie können aber auch in der Person des Erblassers liegen und z.B. mit seinem Gesundheitszustand zusammenhängen.

Ein mündliches Testament liegt vor, wenn der Erblasser eine Erklärung in gleichzeitiger Anwesenheit von mindestens drei Zeugen abgibt.

Das polnische Zivilgesetzbuch sieht zwei Möglichkeiten vor, den Inhalt eines mündlichen Testaments festzustellen:

  • Der Inhalt eines mündlichen Testaments kann so festgestellt werden, dass einer der Zeugen oder ein Dritter die Erklärung des Erblassers vor Ablauf eines Jahres nach ihrer Abgabe unter Angabe des Ortes und des Datums der Erklärung sowie des Ortes und des Datums niederschreibt und dieses Schreiben entweder vom Erblasser und zwei Zeugen oder von allen Zeugen (ohne Erblasser) unterzeichnet wird.
  • Ist der Inhalt eines mündlichen Testaments nicht in der vorgenannten Weise festgestellt worden, so kann er innerhalb von sechs Monaten nach Anfall der Erbschaft durch übereinstimmende Aussagen der Zeugen vor Gericht festgestellt werden. Ist die Vernehmung eines der Zeugen unmöglich oder stößt sie auf schwer überwindbare Hindernisse, so kann es das Gericht bei den übereinstimmenden Aussagen von zwei Zeugen bewenden lassen.

Der nächste Teil dieses Artikels befasst sich mit einem Testament, das auf einem polnischen Schiff oder in einem polnischen Flugzeug errichtet wurde (das sogenannte Nottestament auf Reisen).

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