Formen des Testaments in Polen (gewöhnliche Testamente)

Die Vorschriften über Formen des Testaments sind sehr umfangreich und regeln detailliert, wie ein Testament in Polen zu verfassen ist. Das Hauptziel dieser Bestimmungen besteht darin, dass nur der tatsächliche Wille des Erblassers Rechtskraft erlangt.

Im polnischen Recht wird zwischen zwei Arten von Testamenten unterschieden: gewöhnliche Testamente und besondere Testamente.

  • Gewöhnliche Testamente sind solche, die grundsätzlich von jeder testierfähigen Person zu jeder Zeit errichtet werden können. Solange sie nicht widerrufen werden, sind sie gültig und verbindlich.
  • Besondere Testamente hingegen können nur in gesetzlich vorgesehenen Ausnahmesituationen errichtet werden. Die Gültigkeit von besonderen Testamenten ist zeitlich begrenzt.

In diesem Teil des Beitrags erkläre ich, welche Formen des gewöhnlichen Testaments es gibt und wie sie sich unterscheiden (eigenhändiges Testament, notarielles Testament, allographes Testament). In einem folgenden, zweiten Teil des Beitrags, werde ich besondere Testamente vorstellen.

Eigenhändiges Testament

Dies ist die klassische und häufigste Form der Testamentserrichtung. Für die Gültigkeit eines solchen Testaments ist es ausreichend, wenn:

  • es vom Erblasser vollständig handschriftlich verfasst ist:    
    Das Testament muss in seiner Gesamtheit vom Erblasser handschriftlich verfasst werden. Die Verwendung eines Computers / einer Schreibmaschine o. ä. ist ausgeschlossen. Es ist auch nicht möglich, jemanden um Hilfe bei der Abfassung des Testaments zu bitten. Die Schrift muss die individuellen Eigenschaften des Erblassers erkennen lassen. Es ist nicht relevant, welchen Schreibgegenstand der Erblasser verwendet (Bleistift, Kugelschreiber, Feder etc.). Auch die Oberfläche, auf der das Testament geschrieben wird (in der Regel ein Blatt Papier) ist nicht erheblich.
           
  • es unterzeichnet wurde :
    Die Unterschrift auf einem Testament spielt eine sehr wichtige Rolle. Sie identifiziert die Person des Erblassers und ermöglicht die Anerkennung des Testaments als abgeschlossen.

    Die Unterschrift sollte in der Regel aus dem / den vollständigen Vornamen und dem Familiennamen bestehen. Der Familienname muss nicht ausgeschrieben werden. So kann z. B. eine Person mit einem zweiteiligen Familiennamen sich auf die Angabe eines Familiennamens beschränken. Der Angabe eines Nachnamens gleichwertig ist die Unterzeichnung mit einem Pseudonym, sofern der Erblasser es durchgehend verwendet hat. Paraphen und Initialen sind in der Lehre umstritten und werden im Allgemeinen nicht als gültige Unterschriften angesehen.

    Die Unterschrift sollte unter der Niederschrift des Testaments angebracht werden. Wird sie an anderer Stelle angebracht (z. B. auf dem Umschlag, der das Testament enthält), so ist das Testament ungültig. Die Nichtigkeit tritt nicht ein, wenn die Unterschrift an einer anderen Stelle angebracht ist, aber in einem offensichtlichen Zusammenhang mit dem Inhalt der Verfügungen steht.

  • es datiert wurde:       
    Anhand des Datums im Testament lässt sich feststellen, ob der Erblasser zum Zeitpunkt der Errichtung des Testaments testierfähig war, und auch die Reihenfolge mehrerer Testamente feststellen. Am genauesten ist die Angabe von Tag, Monat und Jahr der Testamentserrichtung. Es ist auch zulässig, das Datum beschreibend anzugeben (z. B. der erste Weihnachtstag 2023), wenn das angegebene Datum die Identifizierung eines bestimmten Tages ermöglicht.

    Das Fehlen eines Datums hat nicht die Ungültigkeit eines handschriftlichen Testaments zur Folge, wenn es keinen Anlass gibt, an der Testierfähigkeit des Erblassers, am Inhalt des Testaments oder am Zusammenhang zwischen mehreren Testamenten zu zweifeln.

Notarielles Testament

Eine weitere Form des gewöhnlichen Testaments ist das notarielle Testament. Nach dem polnischen Zivilgesetzbuches kann ein Testament in Form einer notariellen Urkunde errichtet werden. Weitere Anforderungen ergeben sich aus dem Notargesetz, z. B. die Verpflichtung des Notars, sich davon zu überzeugen, dass der Inhalt der Urkunde dem Erblasser genau bekannt ist und von ihm verstanden wird.

Ein in Form einer notariellen Urkunde errichtetes Testament bietet dem Erblasser ein hohes Maß an Sicherheit, die sich in der Übereinstimmung des Inhalts des Testaments mit seinem tatsächlichen Willen ausdrückt. Die Einschaltung eines Notars kann den Erblasser auch vor unzulässiger Beeinflussung durch Dritte schützen und damit auch die Gefahr einer möglichen späteren Anfechtung des Testaments minimieren.

Allographes Testament

Die letzte gewöhnliche Form des Testaments ist das allografische Testament. Diese Form des Testaments wird oft auch als amtliches Testament bezeichnet, da bei der Errichtung des Testaments die Anwesenheit einer Person in einem öffentlichen Amt erforderlich ist. Damit ein allografisches Testament gültig ist, müssen die folgenden Voraussetzungen erfüllt werden:

  • Der Erblasser erklärt seinen letzten Willen in Anwesenheit von zwei Zeugen und dem Gemeindevorsteher (Bürgermeister, Stadtpräsidenten), Landrat, Woiwodschaftsmarschall, Kreis- oder Gemeindesekretär oder dem Leiter des Standesamtes gegenüber mündlich.
  • Die Erklärung des Erblassers wird in einem Protokoll unter Angabe des Datums seiner Errichtung niedergelegt.
  • Das Protokoll wird dem Erblasser in Anwesenheit der Zeugen vorgelesen.
  • Das Protokoll ist vom Erblasser, von der Person, der gegenüber der Wille erklärt wurde, sowie von den Zeugen zu unterzeichnen. Kann der Erblasser das Protokoll nicht unterzeichnen, so ist dies im Protokoll unter Angabe des Grundes für das Fehlen der Unterschrift zu vermerken.

Die Nichteinhaltung der Formvorschrift macht das Testament ungültig.

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